Anlagenwert Hamburg GmbH

Häufige Fragen

Wie das Daily Dip Radar arbeitet, womit es rechnet — und wo seine Grenzen liegen. Erklärt für Menschen ohne Börsenhintergrund.

Grundlagen


Was macht das Daily Dip Radar überhaupt?

Es ist ein automatischer Beobachter für Aktienkurse. Jeden Morgen, bevor die Börse öffnet, schaut es sich tausende Aktien an und sucht nach einem ganz bestimmten Muster: Aktien, die kürzlich deutlich gefallen sind und gerade anfangen, sich wieder zu erholen.

Solche Aktien landen als „Kandidaten" auf einer Tagesliste. Danach verfolgt das System, wie sich jeder Kandidat entwickelt — und zwar mit Kursen, die tatsächlich erreichbar gewesen wären.

Mit welchen Daten wird gerechnet?

Ausschließlich mit Tagesdaten. Für jede Aktie gibt es pro Handelstag im Wesentlichen zwei wichtige Kurse:

  • Schlusskurs (Close) — der letzte Kurs des Tages. Mit diesen Kursen sucht der Scan seine Kandidaten.
  • Eröffnungskurs (Open) — der erste Kurs des Tages. Er kann deutlich vom Schluss des Vortags abweichen: über Nacht passieren Nachrichten, Quartalszahlen, Weltgeschehen.

Es gibt keine Kurse aus dem laufenden Handel („Intraday"). Alles, was das System weiß, weiß es aus abgeschlossenen Handelstagen.

Welche Märkte und welche Aktien werden betrachtet?

Gescannt werden die Märkte USA und Deutschland (XETRA).

Es gibt bewusst keine Mindestgröße für Firmen — auch kleine und sehr kleine Werte (Small- und Micro-Caps) sind erwünscht, sogar Aktien im Cent-Bereich. Genau dort sind die Dips oft am heftigsten.

Unverzichtbar ist dagegen ein Filter auf Handelbarkeit — siehe die nächste Frage.

Warum ein Mindestumsatz — und warum Umsatz statt Stückzahl?

Eine Aktie, die kaum jemand handelt, kann man auf dem Papier nicht sinnvoll bewerten — und in echt kaum kaufen. Deshalb gilt ein Mindest-Tagesumsatz, gemessen als Median über 20 Handelstage:

  • USA: 500.000 je Tag
  • Deutschland (XETRA): 100.000 je Tag

Warum Umsatz statt Stückzahl? 20.000 gehandelte Stück klingen viel — bei einem 2-Cent-Wert sind das aber nur 400 € Handelsvolumen am Tag. Der Umsatz misst, was wirklich bewegt wird; der Median glättet einzelne Ausreißertage.

Warum zwei verschiedene Werte? Deutsche Nebenwerte sind eine Größenordnung weniger liquide als amerikanische. Eine Schwelle, die für NASDAQ-Titel angemessen ist, ließe die deutsche Liste schlicht leerlaufen.

Und warum nicht viel niedriger? Weil ein Vorteil, den man nicht handeln kann, keiner ist. Bei sehr geringem Tagesumsatz liegt die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs oft bei mehreren Prozent — mehr, als das Signal im Schnitt einbringt.

Warum nur XETRA und nicht alle deutschen Handelsplätze?

Bis Juli 2026 wurden auch München, Stuttgart, Düsseldorf und Frankfurt durchsucht. Das ist beendet, aus einem handfesten Grund: Dort notieren viele Titel im Bruchteil eines Cents und werden kaum gehandelt.

Ein Kurs von 0,0001 € kann sich nur in Schritten von 0,0001 € bewegen — die kleinste mögliche Bewegung ist damit bereits eine Verdopplung. Eine Prüfung der zwanzig größten Kurssprünge der gesamten Historie ergab: alle stammten von solchen Notierungen. Das sind keine Kursbewegungen, das ist Rauschen aus der Preisstufung.

XETRA ist der Handelsplatz, an dem deutsche Aktien tatsächlich Umsatz machen. Notiert dieselbe Firma an mehreren Plätzen, zählt nur der umsatzstärkste — sonst taucht sie mehrfach auf und verzerrt die Statistik.


Das Signal


Was genau ist das „Dip and Recover"-Muster?

Die Idee in einem Satz: Eine Aktie ist deutlich gefallen (Dip), hat einen Boden gefunden und beginnt sich zu erholen (Recover) — wir wollen früh in dieser Drehung dabei sein, nicht erst am Ende.

Kandidat wird eine Aktie nur, wenn alle Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind. Betrachtet werden Tages-Schlusskurse:

BedingungWertIn einfachen Worten
Rückblick-Fenster20 HandelstageNur die letzten rund vier Wochen zählen. Darin werden Hoch und Tief gesucht.
Mindest-Rücksetzer≥ 10 %Vom Hoch zum Tief muss es mindestens 10 % nach unten gegangen sein — ein echter Dip, kein Wackler.
Frisches Tiefmax. 10 Tage altDer Boden darf nicht ewig zurückliegen — der Dip soll aktuell sein.
Mindest-Erholung≥ 3 % über dem TiefDer Kurs muss sich vom Boden gelöst haben — Beleg, dass die Drehung begonnen hat.
Maximale Erholung≤ 50 % über dem TiefIst die Erholung schon durchgelaufen, kommt man zu spät.
Bestätigung2 Tage steigendDer Kurs muss über dem von vor 2 Tagen liegen — kein Eintagsereignis.
Luft nach obenKurs unter dem HochSonst ist die Bewegung bereits gelaufen.

Die Tiefe des Dips ist bewusst nach oben offen — nur die Erholung ist gedeckelt.

Wie viele Kandidaten erscheinen pro Tag?

Höchstens 30 je Lauf. Der Deckel wirkt nur in der Anzeige — er begrenzt die Liste, nicht die Auswertung.

Jede Stufe des Laufs wird protokolliert, damit später nachvollziehbar ist, woran ein Tag ohne Treffer lag:

Universum → Kursdaten geladen → Historienfilter (≥ 30 Bars) → Umsatzfilter → Mehrfachnotierungen zusammengefasst → Muster geprüft → Kandidaten.


Kurse und Zeitpunkte


Was bedeuten Signalkurs, „Sofort" und „Fill"?

Nehmen wir einen Kandidaten, der am Montag auf der Liste erscheint:

ZeitpunktHeißtBedeutung
Freitag, BörsenschlussSignalkursDer Kurs, bei dem das Muster erkannt wurde — ein Kurs von gestern. Niemand kann ihn mehr handeln.
Montag, vor BörsenstartAusgabetagDer Scan läuft, die Liste erscheint.
Montag, EröffnungSofortDer beste Kurs, der nach Erscheinen der Liste theoretisch erreichbar war. Reine Vergleichsgröße — gerechnet wird mit ihr nicht.
Dienstag, EröffnungFillDer Kurs, mit dem die Auswertung rechnet.

„Fill" ist Börsendeutsch für „Ausführung".

Warum wird eine ganze Session später gerechnet?

Weil alles andere schummeln wäre. Der Signalkurs ist ein Kurs der Vergangenheit — ihn kann niemand mehr kaufen. Würde man Renditen ab dort messen, sähen die Ergebnisse besser aus, als sie in echt erreichbar wären.

Dieser Fehler heißt Look-ahead-Bias („Blick in die Zukunft"): Man bewertet eine Strategie mit Kursen, die zum Entscheidungszeitpunkt noch niemand haben konnte.

Der eingebaute Puffer von einer Session stellt sicher, dass wirklich jeder diesen Kurs hätte bekommen können — auch wer die Liste erst mittags liest. Die ausgewiesenen Zahlen fallen dadurch niedriger aus, sind aber erreichbar.

Was sagt die Spalte „Δ Warten"?

Sie vergleicht Fill mit Sofort und beantwortet: Was hat die eine Session Abstand ausgemacht?

VorzeichenBedeutung
+ (plus)Der Fill war teurer als der Sofort-Einstieg — das Warten hat Rendite gekostet. Passiert oft, wenn sich die Erholung über Nacht fortsetzt.
− (minus)Der Fill war billiger — das Warten hat sich gelohnt.

Ein Beispiel aus dem laufenden Betrieb (20.07.2026): Signalkurs 64,60 $, Sofort 63,00 $, Fill 69,25 $. Die Aktie ist über Nacht weiter gestiegen — der Puffer hat hier knapp 10 % gekostet. Genau solche Fälle bleiben in der Rechnung, statt weggelassen zu werden.


Wie der Erfolg gemessen wird


Was bedeuten die Spalten +1T bis +20T?

Ab dem Fill-Tag schaut das System nach festen Abständen nach, wo der Kurs steht: nach 1, 3, 5, 10 und 20 Handelstagen. Gezählt werden Handelstage — Wochenenden und Feiertage zählen nicht mit, +5T ist also etwa eine Kalenderwoche.

Jede dieser Zahlen ist eine simple Frage: Wenn ich zum Fill-Kurs gekauft hätte — wie viel Prozent läge ich jetzt vorne oder hinten? Grün = im Plus, rot = im Minus.

Diese Auswertung ist eine Beobachtung, kein Handelssystem. Sie beantwortet die Frage „Was wäre passiert, wenn man jedem Signal gefolgt wäre?" — ehrlich gerechnet, mit erreichbaren Kursen.

Warum ist eine Trefferquote allein wertlos?

Angenommen, 62 % der Signale stehen nach fünf Tagen im Plus. Klingt gut. Aber was, wenn im selben Zeitraum alle Aktien an allen Tagen zu 61 % im Plus standen? Dann hat das Signal so gut wie nichts geleistet — man hätte auch würfeln können.

Deshalb wird eine Kontrollgruppe mitgerechnet: dieselben Aktien, dieselbe Kaufregel, derselbe Zeitraum — aber alle Tage ohne Signal. Der einzige Unterschied ist das Signal selbst. Was zählt, ist die Differenz; sie heißt Vorsprung.

BeispielSignalKontrolleVorsprungBedeutung
Fall A62 %61 %+1 Pp.Rauschen — das Signal wählt nichts aus
Fall B62 %51 %+11 Pp.deutlicher Effekt
Fall C48 %39 %+9 Pp.ebenfalls ein Effekt — trotz niedriger Quote

Fall C ist der lehrreichste: Eine Trefferquote unter 50 % kann ein starkes Ergebnis sein, wenn der Markt in diesem Zeitraum überwiegend gefallen ist.

Die Trefferquote ist hoch, die Durchschnittsrendite niedrig. Wie passt das?

Beides stimmt gleichzeitig, und der Grund dafür ist das Wichtigste, was man über dieses Verfahren wissen muss.

In einem Universum aus kleinen, wenig gehandelten Aktien gibt es jedes Jahr eine Handvoll Titel, die um mehrere hundert Prozent steigen. Sie sind selten, aber so groß, dass sie den Mittelwert praktisch allein tragen. Der Median — der typische Fall — liegt derweil bei etwa null.

Das Signal schneidet diese Ausreißer weg, und zwar absichtlich: Die Erholung ist gedeckelt (ein Titel, der sich vom Tief schon verdoppelt hat, fällt raus), und der Kurs muss unter dem alten Hoch liegen (ein bereits ausgebrochener Titel fällt ebenfalls raus).

Das ist kein Fehler, sondern der Zweck: Das Verfahren sucht den frühen Teil einer Erholung, nicht den bereits gelaufenen Ausbruch. Der Preis dafür ist, dass die ganz großen Bewegungen nicht dabei sind.

Praktische Folge: Wer zwei oder drei Titel kauft, bekommt den Median, nicht den Mittelwert. Den Mittelwert bekäme nur, wer das gesamte Universum kauft — und dann bräuchte er kein Signal.


Der Backtest


Was ist ein Backtest?

Stellen Sie sich ein Rezept für die Frage vor: „Wann sollte man einen Regenschirm mitnehmen?" Sie können jahrelang jeden Morgen entscheiden und abends notieren, ob es richtig war. Oder Sie nehmen die Wetteraufzeichnungen der letzten zehn Jahre und prüfen Tag für Tag: Hätte mein Rezept Schirm gesagt? Und hat es dann geregnet?

Genau das macht der Backtest. Er geht die Kurshistorie Handelstag für Handelstag durch und fragt an jedem Tag: Hätte das Signal hier ausgelöst? Wo die Antwort Ja lautet, entsteht ein simulierter Trade.

Dabei wird nichts „optimiert": An jedem Tag benutzt er nur die Kurse, die bis dahin bekannt waren — genau wie der echte Scan am Morgen.

Warum ist der Kapitalverlauf wichtiger als die Trefferquote?

Die Trefferquote sagt, wie oft das Signal recht hat. Sie sagt nicht, ob man das aushält. Zwei Strategien mit exakt derselben Trefferquote können sich völlig unterschiedlich anfühlen — die eine steigt ruhig, die andere verliert zwischendurch fast die Hälfte und braucht lange zurück.

Deshalb werden drei Dinge gezeigt, die eine Quote nicht zeigt:

  • Kapitalverlauf — wie sich ein Startkapital entwickelt hätte, wenn man allen Signalen systematisch gefolgt wäre.
  • Tiefster Einbruch (Drawdown) — der größte Rückgang vom bisherigen Höchststand. Nicht vom Start, sondern vom Hoch — genau so erlebt man es.
  • Zeit unter Wasser — wie lange die längste Phase dauerte, bis ein alter Höchststand wieder erreicht war. Zwei Jahre Seitwärts sind für die meisten Menschen schwerer auszuhalten als der Einbruch selbst.

Wer einen Einbruch nicht durchhält, steigt im Tief aus — und realisiert genau den Verlust, den die Statistik als „vorübergehend" bezeichnet.

Was ist Overfitting — und wie wird dagegen geprüft?

Overfitting („Überanpassung") ist die größte Gefahr jedes Backtests. Das Signal hat Stellschrauben: Wie tief muss der Rücksetzer sein? Wie stark die Erholung? Man kann diese Werte durchprobieren, bis die Kurve am schönsten aussieht — und hält das Ergebnis dann für eine Entdeckung. Tatsächlich hat man meist nur das Rauschen der Vergangenheit nachgezeichnet.

Der Gegentest ist einfach: Schauen Sie sich die Nachbarn an. Ein echter Effekt ist unscharf. Wenn 10 % Rücksetzer funktionieren, sollten 9 % und 11 % ähnlich funktionieren — der Markt kennt keine runden Zahlen. Steht dagegen eine einzelne Kombination als heller Fleck zwischen lauter mittelmäßigen Nachbarn, ist das kein Sweetspot, sondern ein Zufallstreffer.

Dafür wird ein ganzes Gitter aus Parameterkombinationen gegen dieselbe Kurshistorie gerechnet. Die entscheidende Zahl ist der Anteil der Kombinationen, die die Kontrollgruppe schlagen. Liegt er hoch, ist der Effekt breit getragen; liegt er unter der Hälfte, hat man vermutlich nur die Schwelle gefunden, die zufällig zur Vergangenheit passte.

Backtest oder laufende Auswertung — wem soll ich trauen?
Laufende AuswertungBacktest
Was gemessen wirdSignale, die vorab veröffentlicht wurdenSignale, die nachträglich aus alten Kursen erzeugt wurden
StärkeNiemand kannte das Ergebnis vorher — nicht schönrechenbarSehr viele Fälle, viele Marktphasen
SchwächeKurzer Zeitraum, kleines SampleÜberlebensverzerrung, Gefahr der Überanpassung

Im Zweifel zählt die laufende Auswertung mehr. Sie ist die härtere Prüfung, weil das Ergebnis vorher niemand kannte. Ihr einziger Nachteil ist, dass sie Zeit braucht.

Der Backtest liefert den Kontext: Er kann zeigen, dass etwas nicht funktioniert — aber er kann nicht beweisen, dass etwas funktioniert.


Grenzen und Risiken


Was ist der Survivorship-Bias — und warum wird er offen ausgewiesen?

Das ist die wichtigste Einschränkung, und sie lässt sich nicht wegrechnen.

Die Kursdatenbank enthält Aktien, die es ins heutige Universum geschafft haben. Firmen, die zwischenzeitlich pleitegegangen, übernommen oder von der Börse genommen wurden, sind gar nicht erst dabei. Und genau die wären oft die schlechtesten Trades gewesen: Eine Aktie, die 60 % gefallen ist und sich scheinbar erholt, kurz bevor die Insolvenz kommt, sieht im Signal identisch aus wie eine, die sich wirklich fängt.

Das Ergebnis fällt dadurch systematisch zu gut aus. Wir weisen das offen aus, statt eine schönere Zahl zu zeigen, die später nicht hält.

Sind Gebühren und Spreads eingerechnet?

Nein. Gebühren, Geld-Brief-Spanne und Slippage sind nicht abgezogen.

Gerade bei kleinen, wenig gehandelten Werten liegt allein die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs oft bei mehreren Prozent. Bei kurzen Haltedauern kann das den gesamten rechnerischen Vorteil auffressen.

Schlägt das Verfahren den Markt?

Das ist kein Versprechen, das hier gegeben wird. Die Rückrechnung zeigt zwar hohe Werte gegenüber DAX und NASDAQ — diese Zahlen sind aber durch die Überlebensverzerrung nach oben verzerrt und schwanken erheblich, wenn sich das untersuchte Universum ändert.

Verlässlicher ist der Vorsprung gegenüber der Kontrollgruppe: Er blieb bei allen bisherigen Prüfungen stabil — über verschiedene Haltedauern, über alle bisherigen Kalenderjahre und über hunderte Parametervarianten. Die absoluten Renditezahlen taten das nicht.

Kurz gefasst: Es ist ein Auswahlverfahren, kein Renditemaximierer. Es erhöht die Wahrscheinlichkeit eines kleinen Gewinns und verbessert den typischen Ausgang — gegenüber dem Zufall im selben Marktsegment.

Ist das eine Kaufempfehlung oder Anlageberatung?

Nein. Die hier bereitgestellten Inhalte dienen ausschließlich der Information und der Darstellung eines eigenen technischen Vorhabens. Sie stellen weder eine Anlageberatung noch eine Anlageempfehlung, eine Finanzanalyse oder ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar.

Es findet keine Prüfung statt, ob ein dargestelltes Wertpapier für einzelne Leserinnen und Leser geeignet ist. Persönliche Verhältnisse, Anlageziele, Erfahrungen und Risikotragfähigkeit bleiben unberücksichtigt.

Der Handel mit Wertpapieren ist mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals verbunden. Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Muster verschwinden zudem, wenn genug Leute sie kennen und darauf handeln.


Für Technik-Interessierte


Was zeigt die Trend-Spalte (EMA20/50)?

Ein gleitender Durchschnitt glättet den zappeligen Kursverlauf zu einer weichen Linie. Der exponentielle (EMA) gewichtet jüngere Tage stärker — er reagiert schneller auf frische Bewegungen. Verglichen werden ein kurzer (EMA20, ≈ 4 Wochen) und ein langer Durchschnitt (EMA50, ≈ 10 Wochen):

LageAnzeigeDeutung
EMA20 ≥ EMA50▲ AufDie jüngere Bewegung ist stärker als der längere Durchschnitt — Tendenz aufwärts.
EMA20 < EMA50▼ AbAbwärtstendenz.
< 50 HandelstageZu wenig Historie, der EMA50 wäre irreführend.
nach einem Reihenbruch▲ Auf *Gerechnet wird nur mit den Kursen nach der Lücke.

Warum die Einzelzeile mit Vorsicht zu lesen ist: Ein Kandidat ist per Definition ein Titel, der gerade ≥ 10 % gefallen ist. Sein eigener kurzer EMA zeigt darum fast zwangsläufig nach unten — die meisten Zeilen stehen auf ▼. Als grobe Marktampel taugt deshalb nicht die einzelne Zeile, sondern das Verhältnis ▲ zu ▼ über die ganze Liste: Überwiegen an einem Tag die ▲, erholen sich sogar die gefallenen Titel breit.

Was ist ein Reihenbruch — und warum gibt es ihn?

Eine Kursliste ist erst einmal nur eine Folge von Zahlen — ob zwischen zwei Einträgen ein Tag oder ein Jahr liegt, sieht man ihr nicht an. Ein Durchschnitt, der über ein Loch hinwegrechnet, liefert bereitwillig eine Zahl, der niemand ansieht, dass sie nichts bedeutet.

Der lehrreichste Fund: ein Kürzel mit einer Lücke von 290 Handelstagen mitten drin. Dahinter steckten zwei verschiedene Unternehmen — ein Börsenkürzel ist keine dauerhafte Identität, und wird es frei, kann die Börse es später einem anderen Wertpapier geben.

Statt einer Ausnahmeliste gilt deshalb allgemein: Bei einer Lücke beginnt die Reihe neu. Die Trendberechnung nutzt nur die Kurse nach dem letzten Bruch. Derselbe Mechanismus deckt damit alle drei Fälle ab, die gleich aussehen und verschiedene Ursachen haben: Handelsaussetzung, neu vergebenes Kürzel und Datenausfall beim Anbieter.

Die Schwelle liegt bei fünf fehlenden Handelstagen. Darunter sind es fast immer schlicht handelsfreie Tage — an kleinen Handelsplätzen werden viele Nebenwerte nicht täglich gehandelt.


Glossar


Die wichtigsten Begriffe in einem Satz
DipEnglisch für „Delle": ein deutlicher, meist kurzfristiger Kursrückgang.
FillDie Ausführung eines Kaufs. Hier: der angenommene Einstiegskurs — die Eröffnung der Session nach dem Ausgabetag.
Look-ahead-BiasRechenfehler, bei dem eine Strategie mit Kursen bewertet wird, die zum Entscheidungszeitpunkt niemand mehr bekommen konnte. Macht Ergebnisse unrealistisch gut.
Survivorship-BiasÜberlebensverzerrung: Weil nur noch existierende Werte ausgewertet werden und ausgerechnet die Ausfälle verschwinden, sehen Ergebnisse besser aus als die Wirklichkeit.
MedianDer mittlere Wert einer sortierten Reihe. Robuster als der Durchschnitt, weil einzelne Extremtage ihn kaum verzerren.
EMAExponentieller gleitender Durchschnitt — geglättete Kurslinie, die jüngere Tage stärker gewichtet.
SessionEin Börsentag von Eröffnung bis Schluss.
UniversumDie Menge der Aktien, die an einem Tag überhaupt betrachtet wird. Sie wird täglich neu bestimmt.
ReihenbruchEine so lange Lücke in einer Kursreihe, dass die Kurse davor und danach nicht mehr zusammengehören.
DrawdownDer größte Rückgang vom bisherigen Höchststand.
RenditeProzentuale Veränderung gegenüber dem Einstiegskurs. +10 % heißt: aus 100 € wären 110 € geworden.
XETRADas elektronische Handelssystem der Deutschen Börse — der wichtigste Handelsplatz für deutsche Aktien.

Kapitel



Die konkreten Zahlen stehen bewusst nicht in diesem Text, sondern im Dashboard — dort sind sie immer aktuell, hier würden sie veralten, ohne dass es jemand merkt.


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